Auf einen Espresso mit Jörg Buckmann: Über das Gähnen auf Konferenzen

Frisch aus dem Sommer-Urlaub – und schon wieder reif für einen Espresso! Zur Entspannung trinke ich den heute zusammen mit Jörg Buckmann, legendärer HR-Blogger und bis vor kurzem Leiter Personalmanagement bei den Verkehrsbetrieben Zürich. Der war nämlich schon auf vielen Konferenzen unterwegs und nimmt generell kein Blatt vor den Mund. Das sind zwei exzellente Voraussetzungen für 3 kurze Fragen zum Thema “Aha statt Blabla – Schluss mit Hochglanz-Slides, her mit den Lieblingsfehlern“. Mit anderen Worten: Wie und was Arbeitgeber eigentlich wirklich von einander lernen können.

buckmann-espresso

Jörg ist ja gerade “in anderen Umständen” und somit viel beschäftigt, deshalb halten wir es mal kurz und knackig. Auf einen Espresso, Klappe und ab:

1) Du ertappst dich auf einer HR-Konferenz beim wiederholten Gähnen. Was ist der wahrscheinlichste Grund?

Vermutlich ist es ein Mix aus schlechtem Kaffee aus Plastikkannen (statt starkem Espresso, der angetan wäre, ein Pferd aus dem Koma zu wecken), unzureichendem WiFi und somit dem Entzug der Möglichkeit, sich mit dem Smartphone von einem Redner abzulenken (oder einer Rednerin, schliesslich haben wir ja auch im Schlechten Gleichbehandlung), der von viel zu klein geschriebenen, veralteten Folien abliest, aus zu mastigem Essen beim Stehlunch oder einem Sitznachbar, dessen Viscosehemd nicht nur visuell, sondern auch vom Geruch her den Charme eines Miststocks in den Schweizer Alpen ausstrahlt.

2) Was sind die Zutaten einer Konferenz, die so aufmunternd wirkt wie ein Espresso? Nur noch Kaffeepausen, gar keine Präsentationen mehr?

Nein, bloss nicht. Es gibt sehr wohl gute, spannende und abwechslungsreichen Konferenzen. Mir machen solche Spass, die einen guten Referentenmix und auch mal einzwei Themen “out of the box” haben. Konferenzen, die gut moderiert sind und bei welchen die Technik nicht wahrgenommen wird, weil sie ganz einfach funktioniert. Mit Speakern, denen man einfach gerne zuhört, weil sie nicht nur inhaltlich etwas zu sagen haben, sondern dies auch noch anschaulich präsentieren können. Mit einer gut erreichbaren Location und einer wertschätzenden Infrastruktur. Und Veransaltungen mit der Möglichkeit, sich zu vernetzen – wobei wir dann ja doch wieder bei den Kaffeepausen wären.

3) Angeblich lernt man ja aus Fehlern mehr als aus Erfolgen. Was war dein schönster Fehler?

Gute Frage. Moment… (3 Espressi später) Ich mache oft Fehler. Viele fallen weniger auf, andere mehr. Einer, von dem ich hoffentlich wirklich gelernt habe, war bei meinem vorherigern Arbeitgeber. Ich habe eine Person für mein Team angestellt und mich dabei zu sehr, rückblickend gesehen fast ausschliesslich von den ähnlichen Ansichten und überschneidenden Interessen leiten lassen. Das kritische hinterfragen und überprüfen der wirklich wichtigen fachlichen und persönlichen Eigenschaften wurde zur Nebensache. Ich wurde dafür bitter mit einer ziemlich schwierigen Entlassung bestraft. Daraus habe ich gelernt: Heute versuche ich ganz bewusst, diese Sympathie-Antipathie Bauchgefühle zu erkennen und richtig einzuordnen. Sie sind durchaus wichtig – aber nicht das Wichtigste.

Danke Jörg für die Antworten, und viel Erfolg für deinen “Seitenwechsel”!

julian-espresso-bw

PS: Jörgs Bedingung war, dass ich auch ein Espresso-Bild von mir hochlade, vermutlich weil mediterranes Konversations-Flair dem Verdauen eines Blog-Posts grundsätzlich förderlich ist. Einer Konferenz nicht ganz unähnlich. Erst dachte ich, prima, ich bin ja bald zum Future Forum in Rom, dem vermutlich besten Ort der Welt für einen Espresso-Selife. Nachdem mir nach der Rückkehr leider das Handy samt Fotos geklaut worden war, blieb als nächste Station der Sommerurlaub in Portugal. In Lissabon isst man zum Espresso (eigentlich eher zum Galão) unbedingt Pastéis de nata, das ist nicht mediterran, aber plauderlich auch sehr anregend! (Mehr jedenfalls als Aktenordner, lieber Jörg ;-))

Wäre mal was auf einer Konferenz: echte portugiesische Pastéis de nata, Blätterteigtörtchen mit warmem Pudding und Zimt! Aber auch blöd, dann freut man sich noch mehr auf die Pausen… 🙂

Pasteis-de-nata

Über den Blogger

Julian Ziesing, Berlin

Julian Ziesing ist verantwortlich für die Studien-Entwicklung beim internationalen Marktforschungs-Institut Potentialpark in Stockholm und Berlin und bloggt hier seine Meinung und Erfahrungen zur Candidate Experience.

julian@potentialpark.com
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